Der Turm zu Babel

5 Da fuhr der HERR hernieder, daß er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. 6 Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und haben das angefangen zu tun; sie werden nicht ablassen von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. 7 Wohlauf, laßt uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, daß keiner des andern Sprache verstehe! 8 Also zerstreute sie der HERR von dort alle Länder, daß sie mußten aufhören die Stadt zu bauen. 9 Daher heißt ihr Name Babel, daß der HERR daselbst verwirrt hatte aller Länder Sprache und sie zerstreut von dort in alle Länder.


Die Bibel erzählt von einem Volk aus dem Osten, das sich in einem Land namens Schinar, ansiedelte. Dieses Volk sprach eine (heilige) Sprache. Dort wollte es eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel bauen. Dies war die Stadt Babylon. Die biblische Erzählung des Turmbaus zu Babel steht in der Gen 11, 1–9:


  • Gen 11,1: Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die gleichen Worte.
  • Gen 11,2: Als sie von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an.
  • Gen11,3: Sie sagten zueinander: Auf, formen wir Lehmziegel und brennen wir sie zu Backsteinen. So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und Erdpech als Mörtel.
  • Gen11,4: Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel und machen wir uns damit einen Namen, dann werden wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.
  • Gen 11,5: Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten.
  • Gen11,6: Er sprach: Seht nur, ein Volk sind sie und eine Sprache haben sie alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen.
  • Gen 11,7: Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht.
  • Gen 11,8: Der Herr zerstreute sie von dort aus über die ganze Erde und sie hörten auf, an der Stadt zu bauen. 
  • Gen 11,9:  Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal), denn dort hat der Herr die Sprache aller Welt verwirrt, und von dort aus hat er die Menschen über die ganze Erde zerstreut.


597 v. Chr. beginnt eine Epoche der jüdischen Geschichte, wird als babylonisches Exil bezeichnet. Sie fängt an mit der ersten Eroberung Jerusalems und des Königreiches Juda durch den babylonischen König Nebukadnezar II. und dauert bis zur Eroberung Babylons 539 v. Chr. durch den Perserkönig Kyros II. Es spricht vieles dafür, dass schon lange vor dieser Zeit der babylonischen Gefangenschaft die Menschen tatsächlich von Babel aus in alle Winde zerstreut wurden. Möglicherweise mit der Ausnahme jener Bergbewohner, die in der Nähe der Arche blieben und die offensichtlich die Vorfahren Abrahams waren.

In der legendären Stadt Babylon im heutigen Irak befinden sich die Überreste eines riesigen Bauwerks, und alte Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass es sich um den Turmbau zu Babel handelte. Der deutsche Archäologe Robert Koldewey (* 1855 † 1925) hat die Überreste des Turms von Babel gefunden. Er konnte im Jahr 1913 einen Turm in Babylon archäologisch nachweisen. Er war eine Zikkurat, ein gestufter Tempelturm mit wahrscheinlich 7 Plateaus (nach Herodot 8 Plateaus), dessen Fundamente er in Babylon (hebräisch: Babel) freigelegt hat.

Die Zikkurat wird erstmals unter dem Namen Etemenanki (sumerisch: Haus des Himmelsfundaments auf der Erde) in der Tempelanlage Esaĝila (sumerisch: Tempel des erhobenen Hauptes) urkundlich in den Annalen des assyrischen Königs Sanherib (705-680) erwähnt. Sanherib zerstörte 689 v. Chr. den Tempel und die Stadt. Inschriften im Fundament der Zikkurat belegen, dass die Nachfolger König Sanheribs, König Assarhaddon (680–669 v. Chr.) und König Assurbanipal (668–631 v. Chr.), mit dem Wiederaufbau des zerstörten Tempels begannen. Der neubabylonische Herrscher Nabopolassar, der die Assyrer besiegt und damit der assyrischen Herrschaft ein Ende gesetzt hatte, führte den Ausbau des Tempels fort, sein Sohn Nebukadnezar II. (604–562 v. Chr.) vollendete ihn. Wahrscheinlich verfiel das Bauwerk zunehmend, bzw. wurde durch den Perserkönig Xerxes I. (486–465 v. Chr.) teilweise zerstört. Alexander der Große ließ bei seinem Einzug in Babylon im Frühjahr 323 v. Chr. jedenfalls die Reste bis auf das Fundament abtragen, um den Turm neu zu errichten. Doch dabei blieb es, da Alexander noch während des Neubaus verstarb. Danach verfiel der Turm endgültig.


Für das Aussehen des Turms zur Zeit Nebukadnezars gibt es eine sehr eindrucksvolle Keilschrift-Quelle: Die sogenannte Esagila-Tafel stammt zwar aus späterer Zeit, etwa aus dem Jahr 229 v. Chr. Der Text beschreibt in religiös-mathematischer Form den Tempel Esagila, eines der Hauptheiligtümer in Babylon. Esagila steht in enger Beziehung zur Zikkurat Etemenanki, die beiden Gebäude sind quasi um 90 Grad gedrehte Abbilder voneinander. Im Ausstellungsband »Wahrheit« wird erläutert: »Etemenanki  ›Haus, das das Fundament des Himmels und der Erde ist‹  wird im Text als Turm aus sieben Geschossen beschrieben, deren siebtes, ein Doppelgeschoss, der ›Tempel der Zikkurat‹ sei.« – Ähnlich wie auch Herodot berichtet die Tafel von einem »Bett des Gottes Marduk«. Die Darstellung Etemenankis unterscheidet sich zwar im Detail ein wenig von den Angaben auf der Esagila-Tafel, bestätigt aber wie diese einen sieben- oder achtstöckigen Tempelturm, wie ihn schon Herodot beschrieben hat. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet, dass der Turm zu Babel eine Grundfläche von 91,48 m × 91,66 m und eine Höhe von etwa 91 m hatte.  Der deutsche Bauforscher  Robert Koldewey konnte durch seine Ausgrabungen in den Jahren 1900 - 1913 in Babylon die Maßangaben Herodots zumindest den Grundriss betreffend stützen. Koldewey gilt als einer der bedeutendsten deutschen Vertreter der Vorderasiatischen Archäologie.


Ein Vergleich mit der Zikkurat des Mondgottes Nanna in Ur und anderen gleichartigen Bauwerken zeigt außerdem, dass bei Anwendung einer abgestuften Bauweise, wie sie bei solchen Stufentempeln üblich war, durchaus Höhen von 90 m erreicht werden konnten, ohne dass die Bauwerke einzustürzen drohten. Von dem Turm sind heute nur noch wenige Fundamente erhalten. Auf einem Satellitenbild sind die Fundamente als dunkles Quadrat mit 90 Metern Seitenlänge zu erkennen. Wann der Turm zu Babel erstmals errichtet wurde, ist bis heute unklar. Die Bibelforschung geht aber davon aus, dass mit dem Bau von Babel und dessen Turm unter der Leitung des mythischen Königs Nimrod, nach der Bibel ein Urenkel Noahs, begonnen wurde. Nimrod war Gründer und König des assyrischen und babylonischen Großreiches nach der Sintflut, konnte historisch aber nicht eindeutig identifiziert werden. Der britische Assyriologe George Smith (1840–1876) identifizierte Nimrod mit dem sumerischen Sagenkönig Gilgamesch. Der US-amerikanische Assyriologe Ephraim Avigdor Speiser (1902–1965) setzt ihn mit Tukulti-Ninurta I. (1233–1197 v. Chr.) gleich, der wiederum auch mit Ninos, dem sagenhaften Gründer von Ninive, identifiziert wird. Das Reich Nimrods erstreckte sich zu Anfang auf die Städte Babel, Erech, Akkad und Kalne, die alle im Land Schinar (nördlich von Babylon) lagen. Der Bibel nach soll er auch die Städte Ninive, Rehobot-Ir, Kelach (Nimrud) und Resen erbaut haben.


  • Gen 10,1: Das ist die Geschlechterfolge nach den Söhnen Noachs, Sem, Ham und Jafet. Ihnen wurden nach der Flut Söhne geboren.
  • Gen 10,8: Kusch zeugte Nimrod; dieser wurde der erste Held auf der Erde.
  • Gen 10,10: Kerngebiet seines Reiches war Babel, Erech, Akkad und Kalne im Land Schinar.
  • Gen 10,11: Von diesem Land zog er nach Assur aus und erbaute Ninive, Rehobot-Ir, Kelach
  • Gen 10,12: sowie Resen, zwischen Ninive und Kelach, das ist die große Stadt.


Die Geschichte vom Turmbau steht im Alten Testament zeitlich nach der Sintflut. Das veranlasste den römisch-jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus zu der Annahme, das Motiv für den Bau wäre nicht nur allgemeiner Hochmut gewesen, sondern auch der Versuch, sich einen sicheren Zufluchtsort zu schaffen, für den Fall, dass Gott eine weitere Sintflut schicken sollte. Theologen werten das Turmbau-Vorhaben als Versuch der Menschheit,Gott gleichzukommen. Und auch diesmal bleibt die Konsequenz dieser Verfehlung gegenüber Gott nicht aus, jedoch erfolgt sie nicht in Form einer erneuten Vernichtung wie bei der Sintflut, sondern als Sprachverwirrung. Als die Menschen sich nicht mehr verständigen konnten, wurde der Turmbau zu Babel beendet.  Jahrhundertelang blieb der Turm unvollendet, bis sich König NEBUKADNEZAR II. seiner annahm und ihn vollenden ließ.

Ein beeindruckendstes Fundstück in Bezug auf den Turm zu Babel ist die außergewöhnliche Turmbau-zu-Babel-Tafel aus der privaten Schøyen-Sammlung, die die Zikkurat zur Zeit Nebukadnezars nicht nur beschreibt, sondern sogar abbildet, in der Seitenansicht und als Grundriss. Der britische Wissenschaftler Andrew R. George Experte für das antike Babylon an der Universität London, hat diese Tafel aus dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert genau analysiert, übersetzt und zu einigen anderen Keilschrifttexten von Nebukadnezar in Beziehung gesetzt. Demnach hat der König die Zwillingstürme in Babylon und Borsippa zu Ehren des Gottes Marduk vollendet, deren Auf- oder Umbau sein Vorgänger Nabopolassar begonnen hatte. Für den Wissenschaftler beweist die Stele, dass der Turm zu Babel nicht nur eine Fiktion war, sondern dass es sich um ein tatsächliches Gebäude handelt; was ein weiteres wichtiges Indiz für die historische Wahrheit der biblischen Darstellung wäre. Auf der Tafel ist eine massive pyramidenartige Stufenstruktur zu sehen und eine Inschrift, die Andrew George mit "das Haus, eine Stiftung von Himmel und Erde, Turm des Tempels von Babylon" übersetzt hat. Neben dem Turm ist der Erbauer, König Nebukadnezar II. abgebildet. Ihm werden in der Inschrift die Worte in den Mund gelegt: "Ich habe es (das Bauwerk) so vollendet, dass seine Spitze in den Himmel reicht, damit es so hell glänzt wie die Sonne". Weiter lautet die Inschrift: "Vom oberen See (Mittelmeer) bis zum unteren Meer (Persischer Golf), den weit entfernten Ländern, habe ich mobilisiert, um dieses Gebäude zu bauen".

Die Tafel ist der erste materielle Beweis für die Existenz des Turms zu Babel . Die archäologischen Fakten und die Worte aus der Bibel stimmen in überraschender Weise überein. Der Turmbaubericht ist wahr.



Lokalisierungsversuche der Ortsangaben in der Bibel


Babel oder Babylon: Die alte Hauptstadt Babyloniens lag am Euphrat, etwa 90 km südlich Bagdads im heutigen Irak. Archäologische Funde belegen ihre Größe. Eindrucksvolles Beispiel ist das Ischtar-Tor – eines der Stadttore von Babylon und die Prozessionsstraße. Das Ischtar-Tor war zur Zeit Nebukadnezars II. das nördliche Stadttor in den inneren Mauerringen des Ostteils der Stadt. Daneben gab es noch das das Marduk-Tor, das Zababa-Tor, das Urasch-Tor und ein nicht näher bezeichnetes Tor in der südlichen Stadtmauer. Doch das Ischtar-Tor war das weitaus prachtvollste. Der Torbau ist doppeltorig, er bestand aus einem etwas kleineren Nordtor, welches man zuerst durchschritt und einem großen Südtor, hinter welchem sich ein großer Platz öffnete, der schließlich zur Prozessionsstraße führte. Ersteres erstreckte sich mit seinen beiden Flankentürmen über eine Breite von 28 m und war beinahe 11 m tief, Letzteres hatte gewaltige Ausmaße: allein sein Torraum maß 14,9 × 8,05 m. Die Torbreite betrug 4,5 m.


  • Erech: Nach allgemeiner Ansicht ist mit Erech die ca. 200 km südöstlich des antiken Babylon gelegene Stadt uruk (al-Warkā’) gemeint. Sie gehört zu den ältesten und größten Städten Babyloniens und war vom 5. Jt. v.Chr. bis in das 4. Jh. n.Chr. bewohnt.
  • Akkad: Die Stadt in Mesopotamien war im späten 3. Jahrtausend v. Chr. unter König Sargon von Akkar Zentrum des Königreiches. Die Lage der Stadt ist nicht bekannt.
  • Kalne: Eine der alten biblischen Städte im Land Sinear, die Nimrod baute (1. Mo 10,10: Und der Anfang seines Reiches war Babel und Erek und Akkad und Kalne im Land Sinear.). Die Stadt wird oft mit Kullani/Kulnia in Unqi, ein späthethitisches Königreich in der Amuq-Ebene identifiziert.
  • Ninive: mesopotamische Stadt im heutigen Irak, am linken Ufer des Tigris, an der Mündung des kleinen Flusses Chosr. Griechische Quellen (Ktesias von Knidos) nennen eine Stadt Ninos, die von dem gleichnamigen mythischen Herrscher Ninos (Nimrod?) gegründet worden sein soll. Diese Stadt wird allgemein mit Ninive identifiziert. Archäologische und schriftliche Quellen belegen, dass Ninive im 23.–22. Jahrhundert v. Chr. zum Reich des Königs Sargon von Akkad gehörte.
  • Rehobot-Ir: Ob der Name Rehobot-Ir „Plätze/Flächen der Stadt“ einen eigenständigen Ort bezeichnet, ist umstritten. Rehobot-Ir wird im allgemeinen aber als Name für die Stadt Assur verstanden, die in keilschriftlichen Texten mitunter nur als „die Stadt“ oder „die innere Stadt“ bezeichnet wird
  • Kelach: Mit Kelach ist wahrscheinlich der aus neuassyrischen Texten bekannte Ort kalḫu gemeint, der mit dem heutigen Siedlungshügel Nimrūd ca. 35 km südöstlich von Ninive am linken Ufer des Tigris identisch ist.
  • Resen: Ein in Assyrien (Assur) gelegener Ort, der dem biblischen Resen entsprechen könnte, ist bislang nicht nachgewiesen. Es könnte sich ähnlich wie Rehobot-Ir möglicherweise um eine Vorstadt von Ninive handeln.
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